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Pulvermaar - Herkunft und Name - Seeschlachten im Pulvermaar

Eine alternative Darstellung der Begriffsherkunft

16.09.2016
von Markus RiebschlÀger

Pulver, lat. pulvis "Staub, Pulver, Asche"(Quelle:Wiktionary / PONS) fig. "Arena, Kampfplatz" (Quelle:Wiktionary)
Maar, lat. mare "Meer", ital. mara "See" (Quelle:Wikipedia)


WĂ€hrend die Herleitung des Wortteils "Maar" aus dem lateinischen "mare" als relativ unstrittig betrachtet wird, gibt der Teil "Pulver" immer wieder Anlass zu Spekulationen.
Zwar könnte auch hier das Lateinische die Vorlage im Wort "pulvis, gen. pulveris" liefern, warum aber der Bezug zum "Pulver" hergestellt wurde, ist unklar.

Die ErklÀrungsversuche reichen von der "pulverartigen" Natur der Gesteine in See und Kraterrand bis hin zum Test von Seeminen im Maar (1942 Chemisch- Physikalische Versuchsanstalt der Marine, Kiel), bei denen Sprengstoffe quasi "verpulvert" wurden.

Solche Ideen scheinen wenig stichhaltig, da man feine Tuffe auch an anderen Maaren findet, diese somit nicht das Alleinstellungsmerkmal des Pulvermaares sind und das Maar auch schon vor den Minentests seinen Namen trug.

Warum also "Pulvermaar" ? Der lateinische Ursprung scheint naheliegend, nicht aber die diskutierten Bedeutungen.

Im alten Rom gab es Veranstaltungen zur Unterhaltung der Menschen, die in Amphitheatern oder entsprechenden Arenen ausgetragen wurden. Dabei scheute man keinen MĂŒhen, um die Leute mit oftmals brutalen und archaischen Darbietungen zu belustigen. Das Kolosseum in Rom zeugt heute noch von dem Aufwand, den man dazu betrieben hat und dokumentiert wie wichtig den Römern so etwas war.

Das Wort Arena, lat. [h]arena "Sand" (Quelle:Wikipedia) bezeichnet dabei einen sandbestreuten Kampfplatz mit ringsum steigend angeordneten Zuschauersitzen.
Eine Sonderform stellte bei den Römern der Circus, gr. ÎșÎŻÏÎșÎżÏ‚ "Kreis" (Quelle:Wikipedia) dar, der eher eine langgestrecke Bahn mit halbkreisartigen Enden fĂŒr Wagenrennen war.

Wie N. Tindal in "A guide to classical learning: or, Polymetis abriged" ausfĂŒhrt, wird der Kampfplatz eines Zirkus im Unterschied zur einfachen Arena als "pulvis" bezeichnet.
Die Begriffe Arena und Pulvis beziehen sich in diesem Sinne beide auf den Sand oder Staub, der den Kampfplatz abdeckt bzw. definiert.

Zwischen Römerberg und Pulvermaar befand sich damals die bisher grĂ¶ĂŸte bekannte römische Villenanlage Deutschlands, die offenbar sehr wohlhabenden Römern gehörte.
Die Analogie eines "Natur-Circus", einer runden Arena mit ansteigenden RĂ€ngen und einem kreisrunden Pulvis liegt bei der Betrachtung des Pulvermaares nahe.
Kein anderes Maar beeindruckt derart mit GrĂ¶ĂŸe, Kreisform und einem wohldefinierten Kraterrand, so dass sich eine Bezeichnung "Mare Pulveris" oder Ă€hnliche Konstrukte aufdrĂ€ngen. Wenn der römische Betrachter an eine Arena denken mochte, dann hĂ€tte er es auf Grund der runden Form als "pulvis" eingeordnet.

Der eingedeutschte Begriff "Pulvermaar" bezeichnet demnach einen See, der sich wie das Innenfeld einer runden Arena prÀsentiert.

Welche Art von KĂ€mpfen soll da statt gefunden haben, dass man diesen Begriff auf einen See anwendet ?

Die Menschen damals waren offenbar um so begeisterter je spektakulÀrer das Angebot war. TatsÀchlich war das Kolosseum in Rom so gebaut, dass man die Arena fluten konnte. (Quelle:Wikipedia)
Die Pulvis wurde zum See umfunktioniert und diente als BĂŒhne fĂŒr sogenannte Naumachien, also inszenierte Seeschlachten im kleinen Maßstab.
Die kaiserliche Loge, von der die Obrigkeit zusah, wurde dabei Pulvinar genannt. Dabei mĂŒssen die AuffĂŒhrungen im Kolosseum eher kleine Darbietungen gewesen sein. Caesar lies schon 46 v. Chr. einen See auf dem Marsfeld in Rom anlegen, um 6000 Soldaten in 22 Schiffen gegeneinander antreten zu lassen.

Diese Dinge waren kulturell bei Römern so verankert, dass es kein Problem darstellte, einen See als Kampfplatz, als "pulvis" zu bezeichnen.

Offen bleibt, warum eine Villenanlage (Villa Urbana) betrĂ€chtlichen Ausmaßes ausgerechnet neben dieser natĂŒrlichen Arena erbaut wurde. Die Anlage umfasste ein HauptgebĂ€ude mit einer 92m Front inkl. etlicher NebengebĂ€ude auf 10 bis 15 Hektar FlĂ€che. Dazu kommen Grabanlagen und ein Sockel auf dem sich eine große GrabsĂ€ule befunden haben soll. Alles Zeichen die unterstreichen, dass der EigentĂŒmer von hohem Rang gewesen sein muss.

Gillenfeld lag zur damaligen Zeit eine Tagesreise von Trier entfernt, das im 4. Jahrhundert römische Kaiserstadt war. Zwar verfĂŒgt Trier ĂŒber ein Amphiteater, aber die Möglichkeiten wie im Kolosseum Roms gab es dort nicht.

Die Anbindung des "Mare Pulveris" an den Regierungssitz des römischen Reiches zur damaligen Zeit war hervorragend.
Eine nachgewiesene Römerstraße fĂŒhrte von Trier nach Neuwied und wurde von einer Verbindung gekreuzt, die aus Daun kommend an Gillenfeld vorbei an die Mosel fĂŒhrte.

UnabhĂ€ngig davon, was tatsĂ€chlich am Pulvermaar geschah, sollte man vielleicht mehr darĂŒber herausfinden, wer die Bewohner der Anlage waren, warum diese genau hier am Pulvermaar errichtet wurde, welchen Traditionen man wie in Rom nachkommen wollte und warum der Name des Maares womöglich mehr als nur eine Analogie darstellt.

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