maarsee.de | 29.06.2017 14:33:24

Initiative gegen die Rodung des Buchenwaldes am Pulvermaar, 2010


Der Rundweg um das Maar ist etwa 2300m lang. Gesäumt wird dieser Weg vom Buchenwald im Kraterhang des Maares. Das Zusammenspiel aus den zum Teil über 100 Jahre alten Buchen und dem still daliegend Maarsee erschafft eine weit und breit einmalige, mystische Idylle, die nicht nur wir als schützens- und erhaltenswert verstehen.

Gerne würden wir in diesem Artikel die urige Pracht unseres, das Maar umgebenden, Buchenwaldes in den Vordergrund setzen, doch leider ist dieser Wald, so wie er heute noch existiert, durch kurzsichtiges Handeln bedroht.

gem. der Rechtsverordnung über das Naturschutzgebiet "Pulvermaar mit Römerberg und Strohner Märchen" des Landkreis Daun vom 14. März 1984, §3 Abs. 3, ist die Erhaltung des landschaftsprägenden Laubwaldes im Maarkessel des Pulvermaares einer der Gründe der Unterschutzstellung.

Idylle am Pulvermaar
Im Winter 2009/2010 hat nun die Gemeinde Gillenfeld eine etwa 1ha große Fläche des ufernahen Buchenwaldes praktisch vollständig entfernen lassen. Auf Rückfrage wurde uns vom zuständigen Förster mitgeteilt, dies sei aus Gründen der Verkehrssicherung geschehen, die Bäume seien alle "faul" gewesen.

Die Maßnahme hinterlässt eine deutlich sichtbare Wunde im Panorama. Man mag sich nicht vorstellen, wie es aussehen würde, wenn dieser Kahlschlag, wie angekündigt, rund um das Maar fortgesetzt wird.
In den Jahren zuvor hat man sich damit begnügt Bäume zu entfernen, die tatsächlich durch Sturmschäden massiv in Schieflage gekommen sind, oder eben echte Fäulnis aufgewiesen haben.

Wunde im Buchenwald
Ein regelmäßiges Ausdünnen des Waldes von solchen Bäumen hat das Gesamtbild nie beeinträchtigt. Warum nun alle faulen Bäume auf einem Fleck stehen sollen und man den Rest des Maares dabei vollkommen vernachlässigt hat wirft ein recht klares Bild auf den wahren Hintergrund dieser Maßnahme.

Wenn man schon Verkehrssicherung ins Feld führt, warum lässt man dann die wirklich gefährlichen, faulen, morschen, gesplitterten Bäume stehen ?
Natürlich sind sie schwerer zwischen all den Gesunden zu entfernen und lassen sich nicht unbedingt so gut verkaufen. Wirtschaftlicher ist es zweifellos einfach alle auf einem Fleck zu entfernen.

Schieflage

morsch

Sturmschaden
Abseits der Wege geht man mittlerweile in Naturschutzgebieten dazu über altes Holz liegen und verrotten zu lassen. Sie werden zu nutzbaren Lebensräumen für Flora und Fauna.
Es besteht keine Not unter solchen Bäumen herzuwandern. Waldarbeiter könnte sie recht einfach zu Boden bringen und somit ungefährlich machen. Aber nicht einmal dazu war man in der Lage.

Verschiebt man diese verhältnismäßig geringfügigen Arbeiten lieber auf einen Zeitpunkt an dem auch hier gerodet werden soll ?
Ist Verkehrssicherung nur ein willkommener Vorwand, und das Wohl des Naturschutz- und Naherholungsgebietes liegt den zuständigen Stellen nicht wirklich am Herzen ?

liegengelassen
Wie unsere Aufnahmen zeigen, war bis auf wenige Außnahmen keine Fäulnis an den Bäumen feststellbar. Dieser Meinung waren scheinbar auch die Menschen, die das Holz am 08. Mai 2010, gewinnbringend für die Gemeinde, ersteigert haben.

Offensichtlich ist die Maßnahme einer annähernd vollständigen Rodung kein verhältnismäßiges Mittel zum Zweck einer flächendeckenden Verkehrssicherung und die Pauschalisierung bzgl. des Zustandes der Gehölze nicht korrekt.
Die Aktivitäten übersteigen die Entfernung der kranken Bäume bei weitem und legen eher wirtschaftliche Interessen nahe.

In diesem Zusammenhang steht die Frage offen, ob in diesem Zusammenhang die gesetzlich vorgeschriebene Vorprüfung und/oder eine Verträglichkeitsprüfung nach §34 BNatSchG (Bundes Naturschutz Gesetz) durchgeführt worden ist.
Dies besonders in Anbetracht der Ankündigung, dass diese Maßnahme in den folgenden Jahren rund um das Maar fortgesetzt werden soll, und der Uferbereich somit in Gänze betroffen wäre.
Es ist einfach unvorstellbar, dass eine Stelle, die den Charakter des Buchenwaldes als schützenswert einstuft dieses Vorgehen gutheißen würde.

gesundes Holz

gesunde Stämme

gesunde Stümpfe
"Wir haben ja nicht alles gerodet" Das ist richtig. Vereinzelt sind ein paar Stangen stehen geblieben, die es leider nicht mehr zu ordentlichen Bäumen schaffen werden, weil sie während der Fällarbeiten zu sehr in Mitleidenschaft gezogen wurden.
Da lohnt dann auch nicht mehr das Benzin für die Kettensäge und als Alibi sind sie ja auch ganz nett.

stehen gelassene Baumkrueppel

Was können wir tun ?


Im ablaufenden Jahr 2010 wurden wir von Einheimischen und Touristen sehr oft darauf angesprochen, was dieses Loch im Baumbestand für eine Verunstaltung des Gesamtbildes darstellt.
Das Maar verliert auf diese Weise nachhaltig an Attraktivität als Erholungsort und die Gemeinde Gillenfeld schneidet sich, jenseits ideeller Werte und juristischen Glatteises, durch kurzfristige Gewinnmitnahmen ins eigene Fleisch.

Mondlandschaft im Naturschutzgebiet

Tun Sie Ihre Meinung kund !



Je bewusster die Gemeinde Gillenfeld sich des Umstandes wird, dass sie mit diesen Maßnahmen keinen Rückhalt in der Bevölkerung hat, umso eher wird sie ihr Handeln überdenken.

Kontakte unter:

www.gillenfeld.de

Ein Naturschutzgebiet ist keine kommerziell verwertbare Brennholzquelle.

gutes Brennholz von gesunden Buchen
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